erste Gehversuche nach 2 Jahren Pause oder 2ter Seriensportlauf in Oschersleben
Nachdem ich vor über 2 Jahren (es sind inzwischen gut 2 1/2 Jahre her) unsanft vom Motorrad geworfen wurde und erst im Krankenhaus wieder zu mir kam, habe ich keine Rennstrecke mehr so richtig von nahem gesehen. Irgendwie schwankte ich die ganze Zeit zwischen dem Aufhören oder einem Versuch des Neustartes. Anfang dieser Saison habe ich mich dann für das logische – den Neustart entschieden und mir ein neues Motorrad gekauft und mich direkt zum Seriensport in Klasse 3 eingeschrieben.
Am Wochenende (3. Mai 2008) sollte es dann so weit sein, in Oschersleben wurde zum 2ten Lauf in der Meisterschaft gerufen. Nachdem ich den ersten Lauf bereits aufgrund der neuen und nicht eingefahrenen Maschine ausgelassen habe galt es hier nun also die ersten Gehversuche zu machen …
Das Auto wurde bereits am Donnerstag (Chr. Himmelfahrt) beladen, musste aufgrund eines noch ausstehenden Arbeitstages am Freitag und des Spieles Mainz / Kaiserslautern (2:1 für Mainz) noch auf mich warten.
Samstag morgen, 2:30 der Wecker klingelt. Gefühlte 10 Sekunden später stehe ich angezogen am Auto um endlich die langersehnte Reise an die Börde auf mich zu nehmen. Pünktlich um 3 Uhr ging die Reise über die Autobahn also los. Stunden voller Spannung später waren wir dann da – 6:30 in der Früh, das Fahrerlager – mein Zuhause – wie habe ich es vermisst. Schnell wurde ausgeladen um anschliessend erstmal entspannt die Strecke zu besichtigen.
Bei der Papierabnahme erhielt ich dann meine Startnummer (#315) sowie meinen Transponder und durfte zur technischen Abnahme. Hier verlief alles ohne grössere Probleme – was ist auch zu erwarten bei einem völlig neuen Motorrad. Ein wenig musste ich noch nachbessern, der Ölfilter war nicht gesichert was mit der mitgebrachten Schelle jedoch in wenigen Minuten geändert werden konnte. Somit stand dem Rennen nichts mehr im Wege. Also auf die Montageständer, Reifendruck überprüfen und Reifenwärmer auf das schwarze Gold.
Inzwischen beschäftige ich mich noch ein wenig mit mir und lies die gesamte Situation und Atmosphäre ein wenig auf mich wirken. Die Frage "Was tue ich hier eigentlich" beschäftigt mich die ganze Zeit. Ich stehe mit einer nagelneuen Maschine mit orignaler Verkleidung, originalen Reifen (Bridgestone BT016) etc. im Fahrerlager und mache mich fertig für ein Rennen obwohl ich seit 2 1/2 Jahren quasi gar nicht auf Rennstrecken unterwegs und insgesamt in dieser Zeit vielleicht 1.500 km Motorrad gefahren bin. Ein bisschen krank ist die Idee ja schon – aber ok, alles wird gut
Immer wieder versuche ich mir das Ziel in den Kopf zu hämmern einfach nur ohne Sturz die Runden zu drehen um die ersten Erfahrungen zu sammeln. Es geht hier für mich um nichts, absolut gar nichts. Es ist für mich der erste Lauf, ich will hier nichts erreichen – einfach nicht hinfallen und gut ist …
Dann ist es schon so weit – der erste Teil der Dauerprüfung über 40 Minuten geht los. Die Reifenwärmer werden abgenommen und es geht los auf die Strecke. Die ersten Meter fühlen sich noch ein wenig eigenartig – nicht aber ungewohnt – an. Ich drehe meine Runden und lasse mich durch die ganzen Irren die hier an mir vorbeifliegen nicht beeindrucken sondern versuche meinen Stil wieder zu finden. Allerdings ist das gar nicht so einfach wenn einem schon nach wenigen Runden alle Knochen weh tun und man deutlich merkt, dass die Vorbereitung ein wenig zu lasch war. Recht schnell sind die ersten 40 Minuten rum und ich fahre wieder in die Box – hier das erschreckende Erwachen – 1:45 war die schnellste Runde. Mein Gott, da habe ich das Motorrad ja um die Strecke geschoben – geht ja gar nicht. Ein wenig Ernüchterung macht sich breit …
Nun gut, Motorrad wieder auf die Montageständer, Reifenwärmer drauf und das ganze erstmal wirken lassen. Hierbei ein bisschen Flüssigkeit zu mir nehmen und ein wenig im Fahrerlager herumspazieren. Kurzer halt bei ‘Dinner‘ und einen kleinen Plausch gehalten. Er muntert mich ein wenig auf dass die Zeit für 2 Jahre Pause doch gar nicht übel sei. Nun gut, das hilft ein wenig doch wenn man selbst weiss das man das vorher zum Warmfahren gefahren ist, bringt einen das nicht wirklich weiter. Aber gut, ich bin auf den originalen Reifen (von was mir jeder abgeraten hat) und mit originaler Verkleidung etc. – also mit einem Motorrad direkt von der Strasse – unterwegs und will sie ja nicht kaputt machen. Aber nicht so viel nachdenken, der 2te Teil der Dauerprüfung steht an …
Da ich im ersten Turn bereits meine 23 Runden gefahren habe (zur Erinnerung, 27 Runden müssen gefahren werden) kann ich es nun also völlig entspannt angehen lassen. Ich drehe gemütlich meine Runden und komme nach insgesamt 29 Runden wieder in die Box und stelle die GSX-R ab. Mein kompletter Körper streikt von der Anstrengung aber eine 1:43 wird angezeigt – nun gut, auch nicht wirklich besser aber wenigstens etwas – die Dauerprüfung ist somit für mich abgeschlossen und ich kann ganz entspannt dem Rennen entgegen sehen. Wir gehen auf die Tribüne und schauen uns die anderen Klassen an und nutzen die Zeit um ein wenig zu entspannen.
Um 14:15 geht es dann wieder zurück ins Fahrerlager zum Motorrad – ich habe mir vorgenommen die originalen Bremsbeläge gegen die Lucas CRQ zu tauschen. Ich hatte beim Fahren ein etwas eigenartiges Gefühl beim Bremsen und fühlte mich nicht wirklich sicher, die neuen Beläge sollten hier Abhilfe schaffen und waren in wenigen Minuten montiert. Nun also die Reifenwärmer auf die noch immer montierten BT016 wieder drauf und locker dem Rennen entgegen sehen. Absichtlich habe ich mich entschieden die BT016 weiter montiert zu lassen und nicht gegen die im Auto liegenden Dunlop zu tauschen. Ich möchte mich selbst ein wenig bremsen und den Druck von mir nehmen – mit neuen Reifen hätte ich wohl doch den Ehrgeiz meine alten Rundenzeiten zu erreichen und im vorderen Feld mitzufahren – so ist diese Gefahr wohl kaum gegeben …
Ich gehe aus der letzten Startreihe von Platz 16 mit insgesamt 18 Startern ins Rennen – doch was möchte ich überhaupt erreichen. Ganz klar, bloß nichts kaputt machen aber kann ich mich wirklich zurück halten? Ich bin guter Dinge und rolle in die Startaufstellung …
Die Ampel springt auf Rot – kurz danach ist die Ampel aus und das Rennen geht los. Mist, Start total verschlafen und die ersten sind los bevor ich meine Kupplung kommen lasse – so ein Mist aber auch. Dabei ist doch der Start eigentlich immer das, was ich recht gut kann. Egal, ein paar Gegner schnappe ich mir noch vor der ersten Kurve und gehe irgendwo im mittleren Feld in die selbige. Nun gut, das hat doch schon mal gut geklappt, die erste Kurve im mittleren Feld und das ganze nicht als letzter. Ein paar Runden halte ich die Meute hinter mir als sich mein Körper wieder zu Wort meldet. Dieser ist der Meinung es wäre jetzt langsam gut mit körperlicher Beanspruchung und extremer Schräglage und ich solle ihm mal eine kleine Auszeit gönnen. Also muss ich ein wenig vom Gas gehen und mal durchatmen – das Ergebnis ist klar, die Meute zieht an mir vorbei – das ist mir aber heute auch egal. Was nicht geht, das geht einfach nicht – ich fahre hier nicht um die Meisterschaft sondern fahre ein Rennen gegen mich selbst – also was soll der falsche Ehrgeiz. Somit drehe ich gemütlich meine restlichen Runden und komme somit als letzter Fahrer ins Ziel – aber Sturzfrei …
Dennoch sieht das ganze für mich gar nicht so übel aus, ich komme als 16ter von 18 in die Wertung, unter den Lizenzfahrern belege ich Platz 14 und erhalte somit 2 Meisterschaftspunkte gutgeschrieben.
Mein Fazit:
Derzeit fahre ich ein Rennen gegen mich selbst. Ich muss meine eigene Angst vor einem Sturz noch überwinden und die Grenzen von mir und meinem Motorrad neu ausloten. Hierzu brauche ich in erster Linie mehr Kondition welche ich mir die nächsten Wochen antrainieren werde. Zum nächsten Lauf wird das alles schon wieder anders aussehen – dann mit Rennverkleidung, anständigen Reifen etc. und mehr Kondition wieder am Nürburgring am start.
Alles in allem – GEIL WARS
5. Mai 2008 um 08:05
Gratuliere zum Comeback! Keine Sorge, das klappt auch irgendwann mit den Rundenzeiten wieder! Den ersten Schritt hast Du ja schon gemacht. Super! Welcome back!
Chris
5. Mai 2008 um 09:05
Ja, das war echt geil von dir!!
Ey, 1:43 war letztes Jahr meine Bestzeit!
Wart mal ab, wir werden bald gegeneinander fighten, da bin ich sicher und da freu ich mich auch schon drauf!!
Gruß Frank
5. Mai 2008 um 11:05
war doch klar, dass Du dich erfolgreich zurück meldest.
Auf dem Ring wird es besser…..
Helge
5. Mai 2008 um 20:05
Hey…hier ist die Formel um die Angst zu überwinden:
1. x mal einen Jägermeister einpfeifen, Vorstellen, wie Deine Gegner aussehen, wenn Sie auffem Klo sitzen mit runtergelassenem Kombi
2. Den link hier anhören http://de.youtube.com/watch?v=2A2Jt4WOxN8
3. Vorstellen, wie Du über die Piste fliegst eooowooom
4. Den Sieg einfahren
5. Den Pokal bei mir abgeben…oooohm großer Meister
5. Mai 2008 um 23:05
Schön daß du wieder zurück bist. Vielleicht sehen wir uns dieses Jahr mal wieder, um an alte Zeiten anzuknüpfen…