Rote Flagge zerstört Traum von Position 1
Ahh mach Platz da Oli, ich hab zu viel Überschuss – so ungefähr schiesst es durch meinen Kopf als ich auf Oli auflaufe. Gut, es ist feucht, die andere nehmen etwas Geschwindigkeit raus aber da geht noch was. Also vorbei – irgendwie. Direkt vor ihm ist Hans, ich ziehe mich im schnellen Rechts an Ihn heran und vorbei. Whow, Position 1 im Rennen – wie geil ist das denn … doch leider ist die Freude hierüber nicht von langer dauer … aber fangen wir von vorne an.
Am vergangenen 19. Juli ging es zum 3ten Seriensportlauf an den Nürburgring. Mit 2 Punkten Rückstand in der Meisterschaft waren die Pläne hoch gesteckt – einfach nur vor Oli ins Ziel kommen und die Führung übernehmen. Im Grunde ein ganz klares Ziel, das sollte doch zu erreichen sein …
Die Wettervorhersagen waren arg durchwachsen. Jede Vorhersage sagte etwas anderes, die Niederschlagswahrscheinlichkeit ging von 30% bis zu 80%, also auf jeden Fall werden wir wohl die Regenreifen brauchen. Etwas sorgen macht mir das schon: Als erstes war vergangene Woche erst die Formel 1 auf der Strecke und lies und ordentlich Gummi auf selbiger, zum zweiten war am Vortag die VLN mit einem Langstreckenrennen mit Ihren Dosen auf der Strecke unterwegs und hinterlies uns mit Sic herheit genügend Dreck so dass die aussagen auf ein rutschiges Vergnügen hoch waren. Dazu kommt dasss meine Vorstellung im vergangenen Jahr am Nürburgring mit einem Krankenhausaufenthalt endete da ich bei fast selbigen Verhältnissen mit Highsider abgestiegen war. Die Vorzeichen waren also nicht wirklich optimal …
In Dauerprüfung 1 gingen wir mit Regenreifen raus – auch wenn es nicht regnete. Die Strecke war noch nass, der Himmel riss aber langsam auf. Gegen Mitte der ersten Dauerprüfung war die Ideallinie also trocken – raus und die Reifen schonen, das mit den Runden haut schon hin. Im 2ten Teil das gleiche Spiel: zu beginn die Strecke nass, am ende trocken: Erneut ein Turn auf Regenreifen. So kam es dass ich zum ende der Dauerprüfung keine einzige Runde auf Trockenreifen fahren konnte – blieb also nur zu hoffen dass es im Rennen regnet.
Der Wettergott hatte jedoch andere Pläne. Der Himmel riss an einigen Stellen auf und die dunklen Wolken verschwanden. Also schnell neue Reifen montieren und auf Trocken umbauen. Ähm … wo ist der Reifendienst. Achja, der fährt gerade selbst die Dauerprüfung, ich drehe durch. Durch etwas Glück bekam ich durch einen Kontakt über einen bekannten Schuhverkäufer doch noch noch neue Reifen und konnte somit entspannt auf das Rennen blicken. Entspannt? nee doch nicht – ich hab keine Runde im Trockenen hier hinter mir und muss mich erstmal wieder umstellen – ob das klappt???
Die Besichtigungsrunde sowie die Einführungsrunde werden recht fix gefahren. Ich versuche mich an die trockene Umgebung zu gewöhnen, Bremse später und gehe früher ans Gas – so recht funktionieren will das aber nicht. Mir fehlt das Vertrauen zu Reifen und Strecke – was geht hier auf der gerade abgetrockneten Strecke … Aber nun gut, erstmal in die Startaufstellung.
Platz 2 – sehr geil. Nur Oli steht links vor mir. Die Motoren heulen auf – die Drehzahl steigt ins unermessliche. Ampel rot – Ampel aus – Kupplung kommt und vorwärts gehts. Wir bremsen zu dritt auf die erste Kurve an. Hans innen, dann ich und dann Oli – so auch das Ergebnis nach der selbigen. Ich liege auf 2 hinter Hans. Der geht unheimlich hart ans Gas und legt ein brutales Tempo vor. Mir fehlt das Vertrauen das Tempo mitzugehen und ich muss etwas abreissen lassen. Nach Runde 1 rutscht Oli durch, auch er setzt sich direkt etwas ab. Plötzlich rutscht noch ein Mitstreiter durch – so eine Scheisse – so klappt das aber nicht mit dem von mir gesetzten Ziel.
So jetzt aber mal zusammenreissen – so geht das ja nicht. Also hänge ich mich an Martin und gebe mehr Gas. Das geht ja wohl gar nicht – die blasen mich hier her. Ende der Start-Ziel schnappe ich mir Martin wieder auf der Bremse – ja so muss das sein. Zurück auf Rang 3 – GAS. Die ersten Regentropfen sind auf dem Visier zu sehen – och nöööö nicht schon wieder. Die Strecke fühlt sich jedoch gut an – also weiter. Hans und Oli nehmen etwas Speed heraus, ich komme näher – und zwar richtig schnell. Gut Ihr Conti-Reifen, haltet mich mal auf der Strecke wir geben Gas. Die Drosselklappen sind offen, die Contis beissen sich in den Asphalt und ich komme Meter um Meter näher.
Plötzlich ein heftiger Rutscher – das Heck bricht leicht aus fängt sich aber wieder. Nun gut, das war vielleicht ein Zeichen ich solle langsamer machen? Ähm … sorry aber auf dem Ohr bin ich gerade taub und schon fahre ich an Oli vorbei. Direkt davor nun Hans – ich ziehe mich im Windschatten an ihn und fahre vorbei. Nach der Schikane vor Start Ziel dann ein Schreck – was liegt denn hier rum? 3 oder 4 Motorräder liegen auf und neben der Strecke, Gelbe Flaggen werden geschwenkt. Oh Scheisse – das sieht gar nicht gut aus – hoffentlich ist nix ernstes passiert.
Ändern kann ich nix dran – also weiter Gas. Auf Position 1 überquere ich die Linie. Die nächsten Kurven gehen gut, ich kann mich Meter für Meter von Hans und Oli absetzen – genau so hab ich es mir gewünscht. Ein Traum? Ja ein Alptraum wie sich gleich herausstellt denn die geschwenkten roten Flaggen beenden meinen Traum vom Sieg. Das Rennen wird abgebrochen. Hätte man das Fluchen unter meinem Helm nun hören können – ich wäre wohl eingewiesen worden …
An der Unfallstelle wieder angekommen ist mir aber klar dass der Abbruch das einzig richtige war. Ein Fahrer wird von den Ärzten versorgt und ins Krankenhaus gebracht (von hier aus Entwarnung, er kam noch am gleichen Abend wieder raus und wir sprachen kurz in der Box – keine ernsten Verletzungen). Motorräder lagen auf der Strecke – so ist ein Weiterfahren nicht Sinnvoll.
Dennoch ärgerlich für mich denn gewertet wird die letzte komplette Runde vor dem Abbruch. Sprich Runde 3 und hier lag ich auf Position 3 und nicht auf 1. Auf selbiger werde ich also auch gewertet. Meine gute Laune ist dahin, der Tag gelaufen. Unter normalen Umständen hätte ich mich über den Platz gefreut aber doch nicht wenn man auf 1 liegt.
Nun, einige Stunden nach dem Rennen sehe ich das ganze etwas entspannter. Hauptsache es ist nichts ernstes passiert und meinen Mitstreitern geht es gut. Das Risiko eines eigenen Abfluges war definitiv gegeben – mein kleiner Teufel an meiner Gashand wollte einfach gewinnen. Platz 3 ist besser als ein Ausfall – sehen wir es also von der positiven Seite. Mein Ziel der Saison war am Ende unter den Top 5 zu stehen, jetzt liege ich auf 2 – ich sollte also zufrieden sein mit dem was ich derzeit habe und mich nicht selbst noch weiter unter Druck setzen.
Durch den Rennabbruch nach nur 3 Runden wird das Rennen nur mit 50 % gewertet. Sprich der Schmerz über “den genommenen Sieg” ist zu verkraften – gab es doch nur die hälfte der Punkte. Der Rückstand auf Oli vergrößert sich somit nur um 2 Zähler und beträgt nun 4 Punkte.
In jedem Fall habe ich den Nürburgring heil verlassen – keinen Sturz produziert und die Knochen sind noch ganz. Somit kann ich entspannt auf den nächsten Lauf in knapp 4 Wochen in Oschersleben blicken …
Das Kurzvideo vom Rennen schneide ich die Tage und stelle es dann online. Die ersten Bilder vom 3ten Seriensportlauf am 19.07.2009 am Nürburgring sind bereits auf SportingPicture.com verfügbar.