eigene Fehler führen zum 4ten Platz im 4ten Lauf
Dienstag, August 18th, 2009Eigentlich hätte alles so gut laufen können – von Startplatz 2 ins Rennen, als 4ter in Kurve 1, als 3ter aus Kurve 2 zurück mit Drang nach vorne … doch am Ende läuft es, wie meistens, anders als erhofft …
Die Rede ist vom 4ten Lauf in der deutschen Seriensportmeisterschaft in Oschersleben welcher am vergangenen Sonntag den 16. August 2009 auf dem Plan stand. Frohen Mutes ging es gemeinsam mit meinem Cousin Frank am Samstag in Richtung Börde um den ersten Lauf der 2ten Saisonhälfte zu bestreiten. Die Aussichten waren von vorne herein nicht gerade rosig – meine Hand spielt leicht verrückt und der Finger schmerzt, die Strecke liegt mir nicht wirklich … Ausreden für eine schlechte Platzierung habe ich wahrlich genügend – aber wer will die schon. Den grössten Druck mache ich mir selbst denn mein selbst gestecktes Ziel für dieses Wochenende ist klar gesetzt – Sieg einfahren und 25 Punkte mit nach Hause nehmen. Wobei ich bei der Formulierung schon etwas schmunzeln muss – man wir ja träumen dürfen
Das Fahrerlager ist schon bei Ankunft voll – gerade läuft der Bördesprint. Wir bauen eine kleine Autoburg mit Eike und Agnes (beides Fotografen welche Ihre Bilder vom Wochenende auf SportingPicture.com veröffentlichen) auf und kümmern uns um Papier- und technische Abnahme. Die Box wird bezogen – alles ist gut – keine Probleme. Den abend lassen wir schön gemütlich mit Spirituswürstchen am Grill ausklingen und freuen uns auf den kommenden Sonntag.
Die erste Dauerprüfung verläuft nicht wirklich optimal. Zwar spule ich 22 von 28 benötigten Runden ab aber mein Hinterreifen macht arge Probleme. Viele Rutscher machen mir das Leben schwer – in der Box wieder angekommen kann man die Ursache erkennen – das Fahrwerk ist wohl “leicht” verstellt, der Hinterreifen sieht aus wie ein zerrupftes Stück Gummi … da muss was gemacht werden. Glücklicherweise haben wir über den ADAC Unterstützung durch den Reifendienst von Continental in Person von Wolfgang welcher sich meinem Problem annimmt. Er dreht ein bisschen herum – jetzt müsste es besser klappen.
Im nächsten Turn geht es auch etwas besser, zwar ist der Reifen runter aber das rutschen hat abgenommen obwohl ich etwas fixer unterwegs bin. Nach dem Turn der Blick auf das Rad – schaut gut aus – ist zwar nicht wieder zugefahren (was ned mehr möglich war) aber er sieht schon deutlich besser aus. Nun gut, also Betanken und neue Reifen drauf, Kamera montieren – Motorrad fertig machen fürs Rennen …
Ich stehe in der Startaufstellung – Position 2 in unserer Klasse – vor uns die 2-Zylinder welche versetzt 20 Sekunden vor uns starten. Hoffentlich geht das gut und die stehen uns nicht allzu sehr im Weg herum … Die Ampel springt auf rot – Drehzahl erhöht – Ampel aus und los. Ich komme nicht wirklich gut weg, halte mich aber auf Platz 2 hinter Oli. Im Anbremsen rutschen Hans und Martin an mir vorbei – ich gehe als 4ter in die erste Kurve. Daran muss ich unbedingt arbeiten – ich bin in der ersten Kurve noch zu sehr eine schwuchtel – das geht ja gar nicht. Also hinterher – blos nicht den Anschluss verlieren. Oli und Hans setzen sich ein kleines Stück ab – ich kann schneller gehen werde aber von Martin aufgehalten. Ich fluche herum und schreie Martin an – MACH PLATZ DA UND LASS MICH VORBEI ODER GIB ENDLICH GAS – oder so muss es sich angehört haben. Eingang der Gegengerade beim Rausbeschleunigen fahre ich ihm fast ins Heck rein weil er nicht wirklich gut raus kommt – also daneben und im Anbremsen vorbei – das muss sein.
Gut – wieder auf Rang 3 – Jetzt aber los und ran an die beiden. Ich gebe früh Gas und bremse spät und … ich komme näher. Kurve für Kurve gewinne ich an Boden – ein gutes Gefühl ich kann schneller gehen als die 2 Jungs an der Spitze. Ich schliesse auf und bin dran – dann laufen wir auf die ersten 2-Zylinder auf. Oli und Hans kommen vorbei doch plötzlich macht der doch glatt die Tür zu und ich muss zurückstecken. “HALLO? Du bist letzter in Deiner Gruppe und wirst nach 2 Runden von denen überholt die 20 Sekunden nach Dir gestartet sind – MACH PLATZ DU WANDERSCHIKANE” schiesst mir durch den Kopf. In der Dreifach-Links ist kein Platz für mich – also dann eben direkt nach der Hotelkurve – Mist auch kein Platz dafür hat der zu viel Leistung – im Anbremsen nach er Gegengeraden schiesse ich vorbei – wieder Boden verloren …
Erneut fahre ich mich an die beiden heran, die nächsten “Überrundungen” verlaufen etwas einfacher und ich kann wieder fast aufschliessen.
Aber eben leider nur fast. Ich kann quasi schon die hässliche Visage von Oli erkennen als plötzlich irgend etwas eingangs Zielgerade gegen meinen Oberkörper fliegt – was ist das. Och neee, das Aufnahmegerät der Kamera hat sich gelöst. Frank hatte dies, wie schon bei den Rennen zuvor, mit Panzertape auf dem Tank festgeklebt. Das kann gar nicht abgehen – na gut, es geht ab – aber das soll doch ned. Ich versuche es wieder fest zu kleben und verliere dadurch an boden. Das Gewebeband hält nicht mehr – das Gerät fliegt im Wind umher und nervt wie sau. Ich versuche das Gerät abzureissen aber so nicht – immerhin habe ich es ja gut festgemacht damit ich es nicht verliere. Ich kann noch so sehr an dem **** Aufnahmegerät herumreissen – keine Chance es geht nicht ab. Am Horizont sehe ich Oli und Hans – und somit meine Chance auf 25 Punkte verschwinden. Ich könnte gerade so in den Helm kotzen … ich drehe durch.
Also versuche ich das Gerät zu ignorieren und lasse es herumfliegen. Ist aber nicht ganz so einfach wenn sich dies ständig zwischen Tank und Lenker hängt und somit echt behindert. Egal – das muss gehen. Ich versuche wieder zu pushen doch so richtig will dies nicht gelingen. Das Hinterrad verweigert seinen Dienst – bei jedem Rausbeschleunigen aus langsamen Stücken rutscht der Reifen wie verrückt. Kontrolle ist etwas anderes … das kann ja wohl nun echt nicht sein. Sollte die Wahl der Medium-Mischung doch die falsche gewesen sein?
Im Anbremsen fliegt plötzlich Martin an mir vorbei. Der herausgefahrene Vorsprung ist also dahin – zurück auf Rang 4. Ich versuche an Martin dran zu bleiben – das geht schon. Das Heck ist aber arg unruhig – ständig rutscht die GSX-R aus der Kurve heraus – ich glaube schon an ein technisches Problem. Plötzich klopft etwas in meinem Kopf …
kleine Stimme: “Hallo – ich bins, die Vernunft”
Ich: “HÄH – wer hat Dich denn gefragt”
kleine Stimme: “Niemand – aber vielleicht denkst Du mal kurz darüber nach wie viele Punkte Du bekommst wenn Du auf die Schnauze fällst”
Ich: “Spinnst Du? Ich falle nicht – ich fahre”
kleine Stimme: “Naja, Du fährst nicht, du Rutschst …”
Ich: “Egal – Halt die Klappe und verzieh Dich …”
kleine Stimme: “Lust auf Krankenhaus ?”
Ich: “Ähm … nein … nicht wirklich …”
kleine Stimme: “Hinter Dir ist weit und breit niemand zu sehen – nimm Geschwindigkeit raus und bring den 4ten heim”
Ich stimme widerwillig ein und lasse Martin ziehen. Scheiss Vernunft – wer hat die nur bestellt?
Also lasse ich es ruhiger angehen und drehe meine Runden. Martin ist weg, vor mir nur einige die Überrundet werden müssen. Also gemütlich vorbei. Letzte Runde – Hotelkurve – Ähm – da ist Franky hinter mir. Der will vorbei – Neee so nicht. Also GAS – bei aller liebe zur Vernunft aber das geht echt ned. Ich ziehe also nochmal am Kabel und kann Franky hinter mir halten und komme als 4ter ins Ziel …
Hans hat das Rennen gewonnen, Oli wurde 2ter und Martin dritter. Somit verliere ich in der Meisterschaftswertung ordentlich an Boden und Falle auf den 4ten Platz zurück. 11 Punkte Rückstand auf Rang 1 (Oli) – das wird wohl nix mehr. Ich muss der Realität ins Auge sehen – mein Jahresziel unter die Top 5 zu fahren ist wohl zu erreichen – der Traum vom Meister aber wohl eher nicht – zumindest dieses Jahr nicht … Dennoch ist noch nichts verloren – Noch 2 Läufe – noch ist alles drin …




