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Der Fluch von Hockenheim – Kupplung versagt

Am vergangenen Osterwochenende war es wieder so weit, der ADAC Hessen Thüringen e.V. lud zu den 1000 Kilometern nach Hockenheim ein. Auch ich war einmal mehr am Start und wollte nach den vergangenen 2 Ausfällen nun endlich das Ziel einmal wieder erreichen.

Als eines von 3 Teams des “Classic Superbike Team Bilek” ging ich gemeinsam mit Roland Kohlberg, einem Fahrer aus dem ADAC Minibike Cup, auf einer Aprilia RSV 1000 R Factory an den Start. Der Blick auf die Wettervorhersagen liessen ein super Wochenende erwarten, Sonne Sonne und nochmal Sonne – eine Wohltat wenn man an den verregneten Start vom letzten Jahr zurückdenkt …

“Ankommen und nicht hinfallen” – so hieß unser Motto.

Roland ging als erste mit der RSV auf die Strecke, mit Sicherheit ein besonderer Moment für ihn. Ist es doch das erste mal dass er ein “Männermotorrad” auf einer echten Rennstrecke im Rennbetrieb bewegt. Um mal eines vorweg zu nehmen, er machte seinen Job echt super und zog sauber seine Runden. Die Rundenzeiten selbst konnten sich durchaus sehen lassen und waren im Verkehr im Bereich der 2:02. Aus meiner Sicht für das erste Rennen echt super.

Nach gut einer Stunde kam Roland dann zurück zur Box zum planmäßigen (wir hatten entschieden so lange zu fahren bis die Tankleuchte angeht, maximal jedoch eine Stunde) Tankstop und Fahrerwechsel. Der Tank selbst wurde gefüllt und schon ging ich raus auf die Strecke. Nach einigen kleine Verschaltern (“normales” Schaltschema ist schon komisch wenn man das ewig nicht gefahren hat) kam ich langsam aber sicher immer besser mit der RSV zurecht und pendelte mich bei Zeiten zwischen 1:57 und 2 Minuten ein.

Der erste Schock des Tages kam dann bereits in der 25ten Runde. Ich fuhr gerade in einem kleinen Pulk auf die Sachskurve zu und wollte mich innen an 2 Kontrahenten vorbeibremsen. Plötzlich stotterte der Motor und nahm kein Gas mehr an, beim Aufstellen der Maschine kam das Gas wieder und ich konnte um die Kurve rollen. Kurzes überlegen, ich bin gerade mal 50 Minuten draussen – ob der Tank leer ist?
Warum springt die Tankleuchte nicht an?
Kurz danach rollte ich über den Rettungsweg zurück ins Fahrerlager und durfte die RSV dann zurück in die Box schieben. Schon etwas nervig ein Rennmotorrad durch Menschenmassen schieben zu müssen die sich Ihre blöden Kommentare nicht verkneifen können, aber immerhin war es nicht weit ;)

Die Boxencrew schaute nicht schlecht als ich anstatt über die Strecke durch die Box kam, reagierte aber sehr schnell und tankte die RSV so dass Roland, der bereits wieder bereit zum Fahrerwechsel war direkt auf die Strecke konnte. Während ich mich von dem Schock erholte und erstmal wieder zur Puste kommen mussten drehte Roland “gemütlich” seine Runden.

Wo bei uns bisher noch alles perfekt zu verlaufen schien sah das in unserer Box schon etwas anders aus. Uwe stand bereits wieder in normaler Jeans in der Box, von der R1 und Matze jedoch weit und breit nichts zu sehen. Die Aufklärung verbreitete keine grosse Freude, Matze war leider gestürzt und befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade im Medical-Center zum Röntgen. Zum Glück stellte sich später heraus dass Matze keine Verletzungen vom Sturz von sich trug.

Daniel und Michael vom 3ten “Classic Superbike Team Bilek” standen auch schon in der Box. Durch Bremsprobleme stürzte Daniel in der Sachskurve wobei der Kühler zerstört wurde. An ein weiterfahren war nicht zu denken so dass auch dieses Team frühzeitig das Einsatzmotorrad abstellen musste.

Somit waren Roland und ich die einzig verbliebenden im Rennen – ganz so hatten wir es uns das Wochenende ja nicht vorgestellt …

Wie dem auch sei, Roland kam nach 55 Minuten (wir haben die Turns nach meinem “Schieberlebnis” etwas verkürzt) rein und übergab mir die RSV wieder zurück. Kurzer Check des Bikes, Reifenbild ist perfekt (die Conti Endurance machen einen guten Job), Bremsbeläge sind in Ordnung, also wieder raus auf die Strecke.

Die RSV lief weiterhin gut und ich konnte meine Runden sauber abspulen. Es machte tatsächlich wieder richtig Spass durch das volle Fahrerfeld zu pflügen, die Bremspunkte weiter nach hinten zu schieben und ganz entspannt ohne Risiko das Motorrad um den Kurs zu prügeln. Alles fühlt sich super an, schönes Wetter, das kann ein echt guter Tag werden.

Wird es aber nicht!
Nach einigen Runden lässt sich die RSV nicht mehr richtig beschleunigen. Irgendwas stimmt hier nicht. Es scheint so als ob die Kupplung nicht richtig greift. Eine Runde später dann die Gewissheit: Im 2ten Gang fahre ich aus der Spitzkehre, der Motor dreht hoch und das Motorrad beschleunigt. Der Drehzahlmesser kommt in Richtung 8.000 U/min und findet sich nur wenige Bruchteile einer Sekunde im Begrenzer wieder – das Motorrad wird aber nicht schneller.
Erneuter Versuch im nächsten Gang, gleiches Ergebnis – die Kupplung greift nicht mehr und ich rette mich zurück in die Box.

Meine Diagnose schockt das gesamte Team, die Laune sinkt auf den Tiefpunkt. Wir schieben die RSV zurück in die Box und öffnen die Kupplung. Die Lamellen sind stark abgenutzt doch Ersatz ist keiner zu Finden. Auch der Versuch die 2te RSV zu “schlachten” und dieser die Kupplung zu entnehmen schlägt aufgrund von fehlender Kompatiblität der Teile fehl. Somit müssen wir nach gut 45 Minuten vergeblichem Schrauben aufgeben und scheiden als letztes der 3 Teams aus.

Besonders Schade ist das ganze wenn man sich die Ergebnisse des Sprintrennens anschaut. Die dort gefahrenen Zeiten lagen nur beim Erstplatzierten unter den Zeiten die wir “gemütlich” während der Dauerprüfung gefahren sind. Aus unserer Sicht wäre mit Sicherheit ein Platz auf dem Podest drin gewesen – was den Ausfall natürlich noch blöder für uns macht.

Um einmal ein Fazit zu ziehen:

  • die RSV ging gut und wir kamen beide gut zurrecht
  • Roland war schneller als ich vermutet hätte
  • das Zusammenspiel des Teams funktionierte relativ gut
  • ein Podestplatz wäre beim ersten gemeinsamen Auftritt drin gewesen
  • Im Gegensatz zu meinem Auftritt 2010 kann ich noch beide Hände bewegen :)

Zusammenfassend bleibt aus meiner Sicht nur zu sagen dass der Ausfall ärgerlich ist aber passieren kann. Vor technischen Fehlern ist niemand gefeit und wir haben aus meiner Sicht einen guten Job gemacht.
Also Mund abputzen, Motorrad wieder fit machen und sehen was im nächsten Langstreckenrennen zu holen ist.

Ich möchte mich auf diesem Weg noch einmal bei allen Helfern des Wochenendes bedanken. Ihr habt alle nen super Job gemacht, schade dass wir euch nicht mit einem Podestplatz für diese Mühen entlohnen konnten. Wir geben unser bestes dies in kürze nachzuholen ;)

Die im Artikel verwendeten Bilder stammen alle von Eike Funke und Stephen Bower welche für SportingPicture vor Ort waren.

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