500 km von Hockenheim – Erneut technische Probleme
Dienstag, September 6th, 2011Nach dem Gastauftritt am Lausitzring in der deutschen Seriensportmeisterschaft hatte ich gemeinsam mit Uwe entschieden dass wir unter dem Motto "Spass haben" zusammen die 500 Kilometer von Hockenheim in Angriff nehmen wollten. Also ging es an die Vorbereitungen und die Überlegungen mit welchen Waffen wir denn an den Start gehen wurden. Schnell war klar dass die Klasse der Wahl die klasse der 750er + 2-Zylinder bis 1000 ccm werden würde ... Erinnerungen werden wach, so war dies doch die Klasse in welcher ich mich von 2008 bis 2010 zuhause fühlte ...
So ging es munter gelaunt mit den 2 Aprilia RSV 1000 R und einem Ersatzmotorrad, der Honda SP2 in Richtung Hockenheim. Die Maschinen waren gut vorbereitet und standen da wie aus dem Ei gepellt. Wir bezogen unsere Box, brachten die technische Abnahme hinter uns und machten es uns am Grill vor dem Wohnwagen gemütlich. Der Plan für das Rennen war schnell gefasst: Ich fahre den Start und wir riskieren genau gar nix - einfach nur ankommen ohne Sturz war unser Ziel.

Die Qualifikation nutzen wir um die Motorräder ein letztes mal zu testen, eher gemütlich drehten wir unsere Runden und standen später auf Rang 27 mit einer 1:53 am Start.
14:15 - der Start steht unmittelbar bevor. Ich stehe auf der Zielgeraden, blicke in Richtung Torsten der mit der Flagge den Start freigeben wird und warte darauf zu Uwe zu sprinten um das Rennen in Angriff zu nehmen. Die Flagge fällt, ich laufe los, springe auf die RSV doch diese will nicht direkt starten. Einige Motorräder fliegen an mir vorbei als ich noch stehe doch dann das schöne dumpfe gebrubbel unter mir - sie läuft. Los gehts - das Vorderrad hebt sich in Richtung Himmel, ich überhole wieder einige meiner Mitstreiter als ich weit vor mir einen Fahrer quer über die Fahrbahn rutschen sehe. Runter vom Gas, Hand heben und vorsichtig vorbei fahren. Das sieht übel aus - hoffentlich ist nix ernstes passiert. Die Fahrer sind aggressiv wie lange nicht mehr - jeder Versucht das Rennen in der ersten Runde zu gewinnen - alle Wahnsinnig! Noch in dieser Runde wird das Rennen abgebrochen und wir fahren zurück zur Boxenanlage. Schnell nochmal das Motorrad voll tanken, Reifenwärmer drauf und abwarten.
Wenige Minuten später geht es weiter - wir rollen zurück in die Startaufstellung und wählen eine andere Taktik - Abwarten. Die Flagge fällt, ich renne erneut zur RSV und schaue dem Treiben erstmal nur zu - erst als der Grossteil des Feldes an mir vorbei ist starte ich die RSV und fahre dem Feld hinterher ...
Runde für Runde hole ich mir einen Mitstreiter nach dem nächsten - die RSV macht echt Spass und ich komme immer besser mit ihr zurecht.

Nach gut 55 Minuten geht die Tankleuchte an - zurück in die Box. Uwe sitzt bereits auf der 2ten RSV und wartet auf mich. Der Transponderwechsel funktioniert reibungslos, Uwe geht auf die Strecke und ich kann mich kurz ausruhen. Viel Zeit bleibt jedoch nicht, das Motorrad muss getankt werden und das kochende Wasser aus dem Kühler läuft aus dem Überlaufbehälter. Erstmal was trinken und alles abkühlen lassen - das wird.
Uwe kommt ebenfalls gut zurecht und dreht Runde um Runde. Na gut, er ist um einiges Langsamer als ich, aber das ist heute egal. Wir wollen Spass haben und ich für meinen Teil habe diesen und so wie Uwe fährt scheint es auch ihm Spass zu machen ... Alles läuft nach Plan ... bisher

Nach rund 35 Minuten übergibt Uwe wieder an mich zurück. Ich freue mich auf meine nächsten 55 Minuten Hockenheim und gehe raus auf die Strecke. Die RSV und ich machen da weiter wo wir vorher aufgehört haben - wir fahren mit konstanten 1:54 um den Kurs und holen uns Gegner für Gegner in unserer Klasse zurück. Die zwischenzeitliche Führung in unserer Klasse beflügelt uns und ich spule meine Runden ab.
Ich fliege die Parabolika runter und bremse auf die Spitzkehre an, irgendwas ist komisch. Die RSV fühlt sich ungewohnt an doch was ist das - ich kann es noch nicht genau sagen. Ich fahre durch die Spitzkehre und lade wieder durch. Hierbei schaue ich kurz nach unten in Richtung meines rechten Fusses und mir bleibt fast der Atem stehen. Gerade als ich runterschaue verliere ich einen Deckel der rechten Motorseite (wie sich später herausstelt ein im Kupplungsdecke eingepresster Deckel). Der Deckel fliegt, gefolgt von einer schwarzen und flüssigen Masse die niemand sehen mag (Motoröl) fliegt der Deckel über die Strecke. Was geht hier ab?
Ich schalte direkt den Motor aus, ziehe den Kupplungshebel und verlasse die Strecke. Die Streckenposten bestellen mir den Schandkarren und ich schaue mir das Desaster an - unglaublich, der Deckel fehlt. Mensch hatte ich ein Glück, man mag sich gar nicht vorstellen was wohl passiert wäre wenn ich nicht gerade runtergeschaut hätte. Die schnelle Rechts, einfahrt Mercedes-Arena, war kurz vor mir - das mit Öl auf dem Hinterrad? Ich höre lieber auf drüber nachzudenken ...

Gut 15 Minuten später bin ich zurück in der Box, habe kurz erklärt was passiert ist und sitze auf der 2ten RSV um das Rennen wieder aufzunehmen. So ein Mist aber auch, wir lagen so gut im Rennen ... Naja egal, Schadensbegrenzung und ohne Sturz durchkommen ist das Ziel.Also weiter gehts - Runden abspulen bis der Tank der RSV leer ist.

Uwe geht ein letztes mal auf der SP2 auf die Strecke und spult die letzten Runden ab. Rund 35 Minuten kann er noch in Hockenheim spielen bevor er mir das Staffelholz zurück gibt und mich die letzten 4 Runden drehen lässt.
Erschöpft aber zufrieden beenden wir das Rennen mit 6 Runden Rückstand auf den Sieger unserer Klasse (Herzlichen Glückwunsch Heinz). Diese Ergebnis lässt uns beide positiv in die Zukunft blicken - 6 Runden Rückstand bei 15 Minuten verlorener Zeit durch den technischen Defekt sind als durchaus machbar einzustufen. Somit hätten wir eine reale Chance gehabt das Rennen zu gewinnen - aber dies sollte eben, einmal wieder, nicht sein.
Egal, wir hatten unseren Spass und freuen uns auf die Saison 2012. Jetzt lassen wir erstmal die gesammelten Eindrücke der vergangenen Saison auf uns wirken und überlegen uns gemeinsam wohin die Reise in 2012 gehen mag. Wird es eine weitere Saison im Motorrad Rennsport für mich geben obwohl ich eigentlich damit abgeschlossen habe?
Es bleibt spannend ...
An dieser Stelle noch einmal Tausend Dank an Uwe und Valerija welche mir die Starts in der Saison 2011 ermöglicht haben.














