Zielflagge im 3ten Versuch 2011 in der Lausitz gesehen
Donnerstag, Juni 30th, 2011Nachdem ich dieses Jahr bereits bei 2 Rennen am Start war die Zielflagge jedoch nie erreicht habe ging es am vergangenen Wochenende zum Lausitzring um dieses Thema erneut anzugehen. Im Gepäck war neben der Aprilia RSV 1000 R, mit welcher Michael an den Start gehen sollte, auch eine Yamaha YZF R1 aus 2007 auf welcher ich mein Glück in der Klasse 6, der Open-Klasse bis 1000 ccm versuchen sollte.
Die Wettervorhersagen waren doch mehr als nur bescheiden, jeder Wetterdienst sagte etwas anderes voraus nur in einem waren diese sich einige - es sollte Nass werden. Schlechte Vorhersagen wenn man bedenkt dass am vergangenen Wochenende doch die DTM am Eurospeedway zu Gast waren und entsprechend Gummi auf der eh schon sehr rutschigen Strecke gelassen haben. In Kombination mit Regen kann das nur eine rutschige Angelegenheit bedeuten ...
Am Samstag morgen saß ich dann das erste mal auf der für mich neuen R1 und rollte zur ersten Dauerprüfung. Man sitzt doch verdammt hoch und ungewohnt auf dem Ding, die Fussrasten sind viel zu hoch, die Lenkerstummel passen noch nicht so wirklich - hoffentlich läuft es besser als es sich anfühlt.

Diese Hoffnung sollte sich in den ersten Runden nicht wirklich bestätigen. Nachdem ich mir den Streckenverlauf wieder grob in den Kopf zurück geholt hatte versuchte ich das ganze etwas schneller abzuspulen. Ich biege auf die Gegengerade ein, die R1 hebt das Vorderrad und die linke Hand befindet sich samt Lenkerstummel fast am Tank - da war sie vorher aber nicht. Also vorsichtig ab zurück ins Fahrerlager - Lenkerstummel neu einstellen und richtig fest ziehen. Kurz danach geht es wieder raus auf die Strecke.
Einige Runden später erinnere ich mich dann auch wieder an die Bremspunkte meiner 750er. Nun gut, also das alles etwas schneller und die Bremspunkte nach hinten verlagern. Das halte ich genau 2 Runden aus bis mir der Leistungsunterschied deutlich bewusst wird - in bester Wild-West-Manier fahre ich gerade aus ins Kiesbett und kann gerade so noch einen Sturz verhindern. Knapp wars.
Bereits in der ersten Dauerprüfung stelle ich fest dass die R1 nichts für mich ist. Ich komme einfach nicht zurecht mit dem Motorrad. Ich fühle mich wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein, die Beine hinterm Kopf hängend, Handlichkeit ist was anderes - in die Kurve bekomme ich die 1000er nur unter Androhung extremster Gewalt - das taugt so alles nicht. Egal, Runden abspulen und das beste draus machen.

Als Gaststarter gehe ich in Klasse 6, der Offenen 1000er Klasse, vom vorletzten Platz (Platz 24) an den Start. Ich freue mich dass es nicht der letzte Platz ist, so habe ich eine theoretische Chance nicht letzter zu werden. Ich rolle in die Startaufstellung, blicke links neben mich und muss anfangen zu lachen als ich sehe wer da steht - Lorenz Sennhauser, ein Starter aus der Schweizer Meisterschaft ist auch zum Gaststart da und hat uns in der Dauerprüfung schon gezeigt wo es lang geht. Um es vorweg zu nehmen, Lorenz hat klar gewonnen und ist nebenbei die schnellste Zeit des Wochenendes gefahren.
Die Ampel ist an, der erste Gang eingelegt, Drehzahl erhöht und der Blick auf die Ampel fixiert. "Bloß nicht zu viel Gas" geht mir durch den Kopf, die R1 sollte bitte heil in der ersten Kurve angehen. Plötzlich frage ich mich warum die Ampel wohl aus ist, ich aber noch immer hier rumstehe. So ein Mist, den Start hab ich ja wohl völlig verpennt, also Gas. Ich überhole noch einige Mitstreiter vor der ersten Kurve und nehme das Rennen, wenn auch etwas verspätet auf.
Die R1 fühlt sich nach wie vor einfach nicht gut an, ich brauche viel zu viel Kraft um die Yamaha in die Kurven zu bekommen, die Bremse passt mir auch nicht so wirklich und beim Rausbeschleunigen driftet mein Hinterrad zum Kurvenäußeren. Das ist nun wirklich nicht mein Tag. Egal, ich versuche an André dran zu bleiben, lasse dann aber nach einigen Runden und diversen Rutschern lieber abreissen. Für mich geht es ja um nix und ich bin nicht letzter - also wenigstens die Zielflagge erreichen. Ich blicke mich um, weit und breit niemand hinter mir, gut dann kann ich langsamer machen - also Speed raus nehmen. André verabschiedet sich recht fix und ist aus dem Blickfeld verschwunden.
Ich drehe einsam meine Runden, keine Ahnung auf welcher Position aber ist im Grunde ja egal. Ein Blick auf die Uhr, ah noch 2 Runden. Dann etwas mit dem ich nicht gerechnet hätte, ende der Gegengerade taucht plötzlich ein Vorderrad neben mir auf. Häh, jetzt überrundet - nee der ist zu langsam für den ersten Platz - das kann ja wohl ned sein ich hab meinen Vorsprung verbummelt. Die wildesten Schimpfworte fliegen mir durch den Helm, ich versuche wieder Fahrt aufzunehmen und schliesse langsam auf. Erneut ende der Gegengerade bin ich nah dran - gut, dann versuche ich es in 2 Kurven - denke ich mir zumindest als gerade Lorenz an mir vorbeifliegt. Ich bin ein wenig irritiert und muss eine weitere Linie gehen - vorbei mit der Idee des Angriffs - Oliver ist weg.
So komme ich als 16ter über die Ziellinie und werde abgewunken - wenigstens etwas.

Auf jeden Fall war es ein lustiges Wochenende und es war schön die ganzen Verrückten wieder mal zu sehen. Mein Glückwunsch an Frank, Moritz und ganz besonders an Marc, der einen Sensationellen 9ten Platz in der 600er Klasse herausgefahren hat.
Die Frage wie es jetzt weiter geht kann ich allerdings noch nicht genau beantworten. Fakt ist, ich werde wohl noch das ein oder andere mal als Gast am Start stehen - auf welchem Motorrad und in welcher Klasse steht in den Sternen. Die R1 wird es jedoch auf keinen Fall mehr sein



