Reifentest und Jahresauftakt in Cartagena erfolgreich absolviert
Dienstag, März 23rd, 2010Nach 2 Wochen Aufenthalt in Südspanien – um genauer zu sein in der Region Murcia / Cartagena bin ich seit Sonntag abend wieder zurück in der Heimat und dabei das erlebte zu verarbeiten. 5 Tage Training mit dem Motorradhaus Bürstadt auf der absolut genialen Strecke von Cartagena liegen hinter mir. Ich habe viel ausprobiert, viel gelernt und auch einiges kaputt gemacht – aber eins nach dem anderen.
Los ging es für uns (Julia, Frank und Petra) am 7. März mit Ryanair von Frankfurt Hahn nach Alicante. Auf dem Plan stand eine Woche gemeinamer Urlaub, anschliessend fliegen die Frauen zurück nach Deutschland und ich trainiere eine Woche und teste dabei die Reifen für die kommende Saison 2010. Also bezogen wir unsere Unterkunft Hakuna Matata, einer Pension nur ca. 10 Minuten mit dem Auto entfernt von der Rennstrecke. Die Lage ist für das Training zwar nahezu ideal, ansonsten doch etwas weit ab vom Schuss.
Wir wurden freundlich empfangen (kurz nach 1 Uhr am Montag morgen) und in unsere Zimmer geleitet. Die Zimmer sind recht ordentlich und sauber, aber es ist recht frisch. Die “Heizung”, wenn man diese überhaupt so nennen darf, schaffen es nicht wirklich den Raum zu heizen so dass es bei den 10 Grad Aussentemperatur im Raum eher kalt als wohlig warm ist. Das ist dann aber auch schon das einzige was es an der Unterkunft zu bemängeln gibt, das Frühstück ist OK, die Zimmer sauber, ein “Pool” (allerdings eher klein als gross) ist hinter dem Haus und die Gastgeber sind freundlich. Die 10 Autominuten zur Rennstrecke sind einfach unschlagbar – für mich definitiv eine gute Adresse für eventuelle nächste Trainings in Cartagena.
Nachdem die erste Urlaubswoche recht schnell verfliegt begeben wir uns am Sonntag vor dem Abflug der Frauen das erste mal an die Rennstrecke. Die LKWs sind schon vor Ort, es kann also nichts mehr schief gehen. Nach einem kurzen Plausch verabschieden wir uns und freuen uns auf den kommenden Montag – endlich geht es los und die GSX-R kann wieder um den Kurs getrieben werden.
Montag morgen, Ankunft an der Strecke. Das Motorrad wurde bereits von den anderen in die Box 4 gebracht – perfekte Organisation, danke Jungs. Nach der ersten Runde im Fahrerlager, dem Begrüssen der bekannten und unbekannten Gesichter und Erledigung des Papierkrames konnte es endlich losgehen – die Fahrerbesprechung steht an. Ein sehr lockeres und freundliches Ambiente hier – alle sind locker drauf, jeder hat einen Spass auf den Lippen – man spürt das sich alle freuen hier zu sein.
Ich beschliesse direkt zum ersten Turn raus zu gehen – in der schnellen Gruppe. “Ich schaue mir den Kurs an so lange die Jungs noch ned ganz wahnsinnig sind” – so mein Plan – immerhin war ich ja noch nicht hier. Nach den ersten 2 Runden dann die Erkenntnis dass mein Plan nicht aufgeht. Rechts und Links fliegen die wahnsinnigen Wickinger an mir vorbei als ob es hier um die WM geht. Während ich noch versuche herauszufinden wo es denn überhaupt lang geht werden die ersten Zeiten unter 1:40 gefahren – ja ne ist klar. Zurück in der Box beschliesse ich direkt mal die Gruppe zu wechseln – ab in die mittlere Gruppe um erstmal den Kurs kennen zu lernen und den anderen nicht im Weg herum zu stehen – besser ist.
Eins steht aber auf jeden Fall schonmal fest – Cartagena ist absolut anspruchsvoll. Ich kann es noch immer nicht so recht glauben wo ich hier gelandet bin – es ist einfach alles dabei was eine Rennstrecke zu bieten hat. Anbremsen am Berg, gegen den Berg, volles durchladen in Schräglage – Kurven die sich zu ziehen – einfach alles – ich bin echt beeindruckt. Der erste Tag steht unter dem Motto “Lernen wo es lang geht und nix kaputt machen” – und das klappt auch. Am Abend des Montags quittiert mit der Laptimer eine 1:49,8 und ich bin zufrieden und freue mich auf den folgenden Tag.
Ich fühle mich langsam wohl – ich weiss wo es langgeht, weiss ungefähr wo ich bremsen und wo ich ans Gas kann ohne auch nur Ansatzsweise am Limit zu sein und drehe weiter meine Runden. Das Fahrwerk passt, das Reifenbild der noch alten Reifen ist gut und die Linie wird flüssiger. Ich fahre in einer 5er Gruppe um den Kurs und rege mich darüber auf dass die 1000er nicht aus dem Quark kommen – auf den Geraden schnell – in den Kurven viel zu langsam. Dann in der langen links bergauf, an welcher es laut Oli gar nicht bergauf geht (der Rest der Box ist anderer Meinung) wird es dann knapp. Durch ein gewagtes Überholmanöver eines Mitstreiters wird der Platz zwischen mir und einer weiteren GSX-R recht knapp. Plötzlich zieht diese auch noch nach innen auf meine Linie – ich muss die Vorderradbremse weiter zumachen um eine Kollission zu vermeiden – es wird knapper – ich bremse stärker, das Vorderrad verliert die Haftung und ich finde mich im Kiesbett wieder. Beim Sturz habe ich unglücklicherweise auch noch meinen Vordermann mit abgeräumt und somit wissen wir beide nicht so recht was wir im Kies sollen. Glück im Unglück – beide haben keine Verletzungen – uns geht es also gut. Die Motorräder hingegen sehen ein wenig schlimmer aus – mein Baby hat quasi überall Schrammen, der Tank ist verbeult, die Bremse zerstört … Scheisse und das am 2ten Tag. Also ab zurück in die Box und sehen was noch zu retten ist.
Am Dienstag abend dann die Entwarnung – die GSX-R ist dank Tape, Lochband und Kabelbindern wieder Fahrbereit und steht auf den neuen Reifen in der Box und wartet auf den nächsten Tag. Die Schäden sind überschaubar, der zerbeulte Tank und die verzogene Bremsscheibe stören mich am meisten. Aber nun gut, hauptsache die Knochen sind heil.
Also kann es am Mittwoch endlich los gehen zum Test der neuen Reifen. Als erstes nehme ich mir einen Satz der neuen Dunlop D211 GP Racer in Medium (120) / Endurance (190) vor. Ich rolle mich 4 Runden ein, fahre in die Box zurück und kontrolliere den Reifendruck um den Druck den Vorgaben entsprechend anzupassen – dann geht es raus zum eigentlichen Testen. Der erste Eindruck ist gut – Grip vorhanden nur ein wenig unhandlich. Nun gut, ich habe 190er Reifen anstatt der sonst üblichen 180er drauf – klar dass die Handlichkeit ein wenig darunter leidet. Dennoch komme ich gut zurecht und kann meine Zeiten unter die 1:45 drücken – und das ohne grosses Risiko. Schön – das macht Spass. Der Reifen hat bis Mittwoch abend durchgehend das gleiche Gripniveau, das Reifenbild ist in Ordnung. Erst als sich der Tag zuende neigt reisst die rechte Flanke ein klein wenig auf – aus meiner Sicht aber kein Grund zu beunruhigung.
Am Donnerstag nach der Mittagspause rolle ich dann das erste mal auf den neuen Reifen von Continental raus. Bestückt mit der Paarung Medium / Medium in 120/180 geht es raus auf die kurvenreiche Strecke und ich fühle mich direkt wohl. Die Maschine ist handlicher – und zwar um einiges – Grip ist genügend vorhanden und das Vorderrad verleiht mir ein sehr gutes Gefühl. Nach 4 Runden dann ein erster Rutscher – zurück in die Box und Reifendruck kontrollieren – Mist zu hoch. Also ablassen und wieder raus. Ich kann direkt die gleichen Rundenzeiten wie mit den Dunlop gehen und fühle mich sicher und denke dass noch einiges mehr geht. Das Reifenbild schaut sehr gut aus – sogar noch besser als das der Dunlop.
Am Abend des Donnerstags macht sich Ratlosigkeit bei mir breit. Eigentlich erhoffte ich mir durch den direkten Vergleich eine klare Tendenz zu Dunlop oder Conti für die Saison 2010. Einer der beiden Reifen muss doch deutlich besser sein als der andere doch so recht bin ich mir hier nicht einig. Vom Fahrgefühl her fühle ich mich auf dem Conti wohler, das Vorderrad gefällt mir sehr gut, die Handlichkeit ist einfach besser. Auf der anderen Seite habe ich mit dem Dunlop keinen Rutscher produzieren können was wiederrum für diese Spricht. Ich entscheide mich die Daten des Tests (Temperaturen, Reifendruck, Temperatur der Lauffläche etc) an Dirk zu schicken und die nun schon alten Contis im Rennen am Freitag montiert zu lassen um zu sehen was geht.
Ich gehe von Platz 3 ins Rennen, fliegender Start. Direkt im Anbremsen auf Kurve 1 gehe ich auf 2 und setze mich hinter Oli fest. Dieser geht direkt ein recht hohes Tempo doch ich kann dran bleiben – zumindest die ersten 2 – 3 Runden. Nach hinten wird der Abstand immer grösser, wir setzen uns ab. Ich lasse Oli ziehen und nehme ein wenig die Geschwindigkeit raus – nicht nochmal weg werfen das Baby – lieber weiter um die Reifen kümmern und andere Linien ausprobieren. Ich versuche einige Rutscher zu produzieren und reisse früh am Gas. Egal ob enge oder weite Linie, das passt. Erst in der vorletzten Runde habe ich einen recht heftigen Rutscher beim Überrunden welcher sich aber gut kontrollieren lässt. Der Reifendruck nach dem Rennen zeigt dass dieser etwas zu hoch ist – das Reifenbild ist nahezu perfekt. Ich gehe auf Position 2 über die Ziellinie und kann mich somit über einen ersten Pokal für das Jahr 2010 freuen.
Für den Nachmittag ist freies Fahren angesagt – ich entscheide mich dazu einen neuen Dunlop Hinterreifen zu montieren und diesem nochmal kräftig auf den Kopf zu geben. Gleichzeitig stecken wir die Gabel noch um 60 mm weiter durch um etwas mehr Handlichkeit zu erzielen.
Der Plan geht auf – die Handlichkeit ist deutlich verbessert, das Gripniveau bleibt dennoch hoch und die Maschine lässt sich gut beherrschen. Leider wird das Training durch einige Regentropfen immer wieder unterbrochen so dass ich mich nach dem 2ten Turn entscheide das Training zu beenden und einzupacken.
Das Fazit des Trainings ist auf jeden Fall positiv – es war super genial. Die Organisation und das gesamte Team an der Strecke war recht locker, es fehlte an nichts. Die Strecke ist der Oberhammer, ich habe viel gelernt. Die Tests waren für mich sehr Aufschlussreich so dass die Entscheidung der Reifenfrage für die 2010 gefällt werden konnte.
Der einzige Wehrmutstropfen liegt wohl darin dass die nächsten 2 Wochen unter dem Stern des Schraubens hängen – es gibt einiges zu reparieren aber nun gut – wo gehobelt wird … Die Teile sind bestellt so dass dem Start am Nürburgring nichts im Wege steht.
Es gilt also keine Zeit zu verlieren, die 1000 Kilometer von Hockenheim stehen kurz bevor (welche wir auf Olis GSX-R 750 angehen werden). Welche Reifen es denn nun werden wird in den nächsten Tagen hier veröffentlicht werden – ich möchte zuerste mit den jeweiligen Anbietern sprechen bevor ich meine Entscheidung denn nun öffentlich mache.
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Frank für seine Hilfe bedanken. Weiterhin war die Gruppe in der Box (und natürlich auch drumherum) einfach super und ich hatte viel Spass. Es war mir ein inneres Blumenpflücken diese Tage mich euch verbringen zu dürfen und ich freue mich auf 2011 – wieder in Cartagena




